7. Gesang von der Schwarzen Wand

Interpretation des Kapitels „Gesang von der Schwarzen Wand“ aus Peter Weiss‘ dokumentarischem Drama: „Die Ermittlung“ (Schulprojekt)

Alle Werke von Colin B., Louis E. und Arthur R.


I

3 Meter, 4 Meter
Aus Menschenhand geschaffen
Die Nacht

Block 11 hin zum Tor
Erkennbar bei Tageslicht
Erreichbar nach Schicksal

Immer die zwei gleichen
Verabredung
Unsichtbarer Stoff
Unsichtbare Ehre

Die Sonne geht unter
Roter Regen
Frau Kind Unschuldig
Dem Erdboden gleich gemacht

Ein Urteil ohne Verständnis
20 000
 


II

Ein Privathof
Ein Privatschauspiel
Ein Privatdienst, offiziell
Ein Privatspaß

Verleugnet
 

Innere verweste Hüllen
Kinder Frauen Männer Behinderte
Einfach alle
Wandernde verlorene Tote
Kein Platz für Trauer
Kein Platz für Hass
Nur Platz für Leere

Verleugnet
 

Diskretes Auftreten
Kleider Ehre und Leben abgelegt
Nackter Todesmarsch
Einer mehrere oder alle abgehakt
Sie sollen den Todeseingang salutieren
Sie sollten still bleiben
Nichts

Verleugnet
 

Manchmal knallhart
Hasserfüllte Ladungen
Schreie Keuchen Verzweiflung
Rote Brunnen von allen Seiten
Kann nicht genug haben
Immer mehr
Immer mehr

Verleugnet
 

Manchmal knallweich
Ein kleiner Endspaziergang
Hand in Hand
Rote Puppe und Nachtengel
Abgedrückt

Verleugnet

Abschleppkommando eilt herbei
Systematische Aufladung
Entehrende Aufladung
Es wurde hingeschmissen
Es sollte ausbluten

Alles verleugnet

III

Taktische Abschlachtung
Zuerst der Halt
Dann mehrere Stiche ins junge Herz
Dann die mütterliche Fürsorge

Qual voller Stille
Qual wird abgewaschen
Qual wird in den Boden vertieft
Qual wird zum „Es war nie”

Das Ich wurde ihnen entnommen
Die Seele durch die Schlächter
Das Fleisch und Blut durch die weißen Kittel
Hauptsächlich Außerordentliches
Hauptsächlich Weibliches
70 Volksblumen ohne Leben
Kein Leben
Keine Art

Viele Tote wenig Masse
Ein Totenvolk
Ein Totensummen

Nachtengel

7. Gesang von der Schwarzen Wand

Interpretation des Kapitels „Gesang von der Schwarzen Wand“ aus Peter Weiss‘ dokumentarischem Drama: „Die Ermittlung“ (Schulprojekt)

Alle Werke von Amélie K. und Vera Ö.

Wer hat Angst?

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann,
der Streifenhemd um Streifenhemd,
um Leben bringt was atmet klamm,
verachtend all dies was wurzelt fremd,
qualvoll er liegt gleich dem Schlamm,
derjenig‘ der stets nach Freiheit sann.
 
Wer hat Angst vorm schwarzen Tod,
leugnet nun welcher stets gedroht,
über Leben urteilt der Tyrann,
schuldig! denn zu Völkermord er drang,
Boger! ein Knochen Angst und bang,
derjenig‘ der stets nach Erlösung sann.
                                                      
Wer hat Angst vor schwarz Kaliber,
weichet im Sekundentakt ein Feuer,
Hof Block 11! ein Traum von Fieber,
schenke dem Tod die Ware euer,   
der letzte Zug, er fraget wann?  
derjenig‘ der stets nach Frieden sann.
 
Wer hat Angst vor schwarzer Wand,
davor sich staut ein glänzend Rot,
sickert tief ins Innere hinein,
 wo noch eben stand Bein an Bein,
er tot! die Welt ist aus dem Lot,  
hoffentlich das Paradies er fand.

„Wer hat Angst?“