8. Gesang vom Phenol

Interpretation des Kapitels „Gesang vom Phenol“ aus Peter Weiss‘ dokumentarischem Drama: „Die Ermittlung“ (Schulprojekt)

Alle Werke von Zoé O. und Catherine S.


Tagebucheintrag eines Häftlings


 
22. Februar 1943 (Tag 28)
Heute hatte ich mit Schwarz und Weiß, den beiden Funktionshäftlingen, Dienst. Sie waren für die Spritzen verantwortlich und ich musste mit anderen Häftlingen die Leichen wegtragen.
Heute hatten wir bereits 36 Inhaftierte abgespritzt, jedoch gefiel Klehr die Zahl nicht, also suchte er sich noch 4 weitere Opfer aus. Der letzte den wir heute spritzen musste, war groß und stark gebaut. Schwarz hielt ihn an den Schultern, Weiß drückte ihm die Hand auf den Mund und Klehr stach ihm die Spritze ins Herz. Doch nachdem er ihm die Injektion verabreicht hatte, richtete der Inhaftierte sich noch einmal auf, sodass Klehr ihm eine weitere Spritze verabreichen musste.
Ich kann all diese toten Körper nicht mehr sehen. Dieser Klang von den leblosen Körpern, die auf den Boden prallen ist unerträglich, er wird mich mein ganzes Leben lang verfolgen.
 
23. Februar 1943 (Tag 29)
Ich musste heute mit Hantl und Scherpe arbeiten. Sie haben 119 Kinder umgebracht und all das nur, um Lebensraum für die Siedler aus dem Reich zu schaffen. Die Eltern hatte man vorher wohl bereits erschossen und den Kindern wurde erzählt, sie würden geimpft werden und man gab ihnen einen Ball zum Spielen. Ich halte dieses Grauen nicht mehr lange aus. Ich habe gehört sogar Scherpe sei zusammen-gebrochen.
Wann nimmt das ganze endlich ein Ende?
 
24. Februar 1943 (Tag 30)

„Abgespritzt“

8. Gesang vom Phenol

Interpretation des Kapitels „Gesang vom Phenol“ aus Peter Weiss‘ dokumentarischem Drama: „Die Ermittlung“ (Schulprojekt)

Alle Werke von Vincent C., Mehdi S. und Xavier W.

Gedanken eines Häftlings


… Da kommt er wieder, drei Mann hinter ihm, gehobenes Kinn, herabsehender Blick. Er kommt wohl gerade wieder von einer Untersuchung und hat Lust weitere kranke Insassen auszusuchen. Sein krankhaftes Grinsen bereitet den meisten Häftlingen ein schreckliches Gefühl. Hier riecht es nach Urin, Kot und Schweiß. Auch ich kann nicht mehr gegen den Drang ankämpfen als der Arzt willkürlich einen Juden nach dem anderen auswählt und die Soldaten die Todesverurteilten ohne jeglichen Rückhalt zum Aufstehen zwingen. Als er endlich fertig ist, dreht er sich rasch um und zeigt noch mit dem Finger auf ein paar weitere Kranke, um die Gesamtzahl der Verurteilten aufzurunden, da er gerade Zahlen bevorzugt. Einer der Soldaten packt meinen Onkel am Arm. Ich klammere mich an sein Bein, woraufhin er meine Hand gegen den nassen klebrigen Boden schmettert und mir mit einem gezielten Fußstampfer das Handgelenk bricht. Ich weiß, dass gebrochene Knochen hier im Krankenbau ein sehr wahrscheinliches indirektes Todesurteil sind …



„Klehr liebte es, nach der Untersuchung der kranken Häftlinge durch den Lagerarzt weitere Häftlinge in den Krankensälen des Häftlingskrankenbaus für die Tötung durch Phenol auszusuchen, sowie der Lagerarzt das Lager verlassen hatte. Dabei ging er durch die Krankenblocks und wählte willkürlich jüdische Häftlinge aus […] [Er] hatte eine Vorliebe für gerade Zahlen. Er wollte die Zahl der durch den Lagerarzt zur Tötung ausgewählten Häftlinge ‚nach oben aufrunden‘.“


Zitat aus: Demant, Ebbo (Hg.): „Auschwitz. Direkt von der Rampe weg. Kaduk, Erber, Klehr: Drei Täter geben zu Protokoll“
Gnadenlos