9. Gesang vom Bunkerblock

Interpretation des Kapitels „Gesang vom Bunkerblock“ aus Peter Weiss‘ dokumentarischem Drama: „Die Ermittlung“ (Schulprojekt)

Alle Werke von Sonia E. und Sophie v. K.-N.


Gedicht vom Bunkerblock


Jauchzend tritt er wieder an,
In einer der vier Fensterlosen,
Mit vier weiteren Hoffnungslosen,
Durch Holz und Eisen sehe man.
 
In einem Monat sind sie Leichen,
Nachdem sie ihre Sohlen reißen,
Vom Tode weiß die Schlange nicht,
Der Elfte entzieht der Schwäche Gewicht.
 
Auch aus seinem Keller dringen Schreie,
Haut an Haut gedrängt ersticke
Wer nicht zur Tür gelange
Des Gucklochs unberührtes Auge.
 
24 Tode ziehe schließlich raus,
Daneben Teile aus dem Nebenhaus,
Hungerzellen zerlegten letztere nicht sacht,
„Gelobt sei was hart macht“!
 
Himmel vermummen
1000 Kaninchen klammern sich tapfer
Doch wabernd verstummen
bläulich Opfer
 
Gasmasken müssen nicht schießen,
Beruhigend verhindert Blutvergießen,
Das Schonendste der Verdammer
Massentötungshoffnungsschimmer.

9. Gesang vom Bunkerblock

Interpretation des Kapitels „Gesang vom Bunkerblock“ aus Peter Weiss‘ dokumentarischem Drama: „Die Ermittlung“ (Schulprojekt)

Alle Werke von Lejla B., Laura E. und Zina Z.

An Bruno Schlage

Adresse: Schinden        Datum: 14.01.1962


Sehr geehrter Herr Bruno Schlage,
 
Ich mag mit Ihnen reden über
Die Bestie am Ende des Kellergangs im Block elf,
Dessen Folter und seine Besucher.
Du warst den Gefangenen kein Behelf.
 
Bei der Essensausgabe angestellt zwei Mal,
Deswegen wurde ich bestraft.
Für meine Verhältnisse war es zu schmal
Ich fühlte mich nicht mal mehr versklavt.
 
Meine Tür nur ein halber Meter
Zwei bis drei Tage was zu Essen,
Ich hatte nicht Mal ein Fenster,
Es wurden noch drei hinzugesessen.
 
Die Luft fehlte mir,
Vier Zentimeter großes Luftloch.
Man behandelte mich wie ein Tier,
Es war schon Mittwoch.
 
Diese verdammte Stehzelle,
Ich sackte nieder.
Meine Mitgenossen rückten mir auf die Pelle,
Doch Kurt Padiala hatte es übler.

Kurt war in der Zelle nebenan,
Am vierzehnten Januar Neunzehnhundertdreiundvierzig,
Verstarb er dann.
 
Sein Geschrei war eine Qual
Er überlebte nur fünfzehn Tage,
Aß seine Schuhe, hatte keine Wahl.
Von uns allen war er in der schlimmsten Lage.
 
Bruno, mein Feind, mein Freund
Schlage über Graf.
Später du seine Leiche räumst,
Mein Bruno wurde mehr als genug bestraft.
 
Deinem Namensträger zugebrüllt
„Du kannst verrecken“
Dann hat dein Wunsch sich erfüllt
Du hättest in seinem Körper können stecken.
 
Du seist jetzt Hausmeister habe ich gehört,
Vollübst deine Arbeit wie wenn nie was gewesen sei.
Ich bin nicht der Einzige den das stört.
Bis gleich auf den Frankfurter Prozessen,

Freundliche Grüße.

„Block 11“
„Muselmann“